Techniken: Schädlingsbekämpfung
In der Schädlingsbekämpfung gibt es die unterschiedlichsten Techniken. Hierzu gehören, nach einer Schädlingsbestimmung und visueller Kontrolle der Örtlichkeit, die Bekämpfung mittels:
Alle durchgeführten Maßnahmen werden natürlich nachvollziehbar dokumentiert.
Visuelle Kontrolle
Neben den technischen Hilfsmitteln sind die Augen, die Nase und der Tastsinn die wichtigsten Sensoren eines Schädlingsbekämpfers. Jeder ausgebildete Schädlingsbekämpfer macht sich als erstes ein Bild von der Örtlichkeit und der Befallssituation. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für die Bekämpfungsstrategie.
Köderverfahren
Das Köderverfahren ist die weltweit am häufigsten eingesetzte Methode zur Bekämpfung von Ratten und Mäusen (Nagetiere) im Innen- und Außenbereich. Es nutzt den natürlichen Nahrungstrieb der Schädlinge, um sie zielgerichtet und kontrolliert zu eliminieren.
- Verzögerte Wirkung: Meist kommen Gerinnungshemmer (Antikoagulanzien) zum Einsatz. Die Tiere sterben erst einige Tage nach der Aufnahme schmerzlos an inneren Blutungen. Das ist überlebenswichtig, da Nagetiere extrem misstrauisch sind. Stirbt ein Tier sofort, meidet das gesamte Rudel den Köder (Köderscheu).
- Der Bitterstoff-Schutz: Damit Haustiere oder Kinder den Köder nicht versehentlich essen, ist ihnen der Bitterstoff Bitrex beigemischt. Nager schmecken diesen Stoff im Gegensatz zu Menschen und Haustieren nicht.
- Frischköder / Pasten: Sehr fett- und proteinreich, verpackt in kleinen Beuteln. Sie wirken besonders anziehend, wenn reichlich andere Nahrung vorhanden ist.
- Köderblöcke: Wachsüberzogene, feste Blöcke. Sie sind extrem witterungsbeständig und ideal für feuchte Umgebungen wie die Kanalisation, Keller oder den Außenbereich.
- Getreideköder: Lose Körner oder Pellets. Sie imitieren die natürliche Nahrung auf Höfen oder in Lagern, bergen aber das Risiko, von den Nagern verschleppt zu werden.
- Zutritt verboten: Die Boxen haben schmale Eingänge, durch die nur Mäuse oder Ratten passen. Hunde, Katzen, Vögel und Kinder sind vor dem Gift geschützt.
- Sichere Fixierung: Die Köder werden auf Metallspießen in der Box aufgereiht, damit Ratten das Gift nicht heraustragen und im Garten vergraben.
Schlagfallen
Bei der Bekämpfung von Nagern kommen unterschiedlichste Schlagfallen zum Einsatz.
- Mäuse-Schlagfallen: Klein, kompakt und mit geringer Federkraft. Sie lösen bereits bei minimalem Gewicht aus.
- Ratten-Schlagfallen: Deutlich größer, robuster und mit einer extrem starken Federkraft. Eine Rattenfalle darf niemals für Mäuse genutzt werden (löst oft nicht aus) und umgekehrt (eine Mäusefalle verletzt eine Ratte nur).
Digitale Systeme
- Digitale Schlag- und Lebendfallen (z. B. für Mäuse und Ratten): Diese Fallen arbeiten mit integrierten Bewegungs- oder Infrarotsensoren. Sobald ein Schädling hineingeht und die Falle auslöst, wird ein Funksignal (über Mobilfunk/IoT) an das Smartphone oder Dashboard gesendet.
- Digitale Köderboxen (Permanent-Monitoring): Klassische Köderboxen werden mit Sensoren aufgerüstet. Sie erfassen, wie häufig Nager in die Box hineinschlüpfen. Erst wenn die Aktivität stark ansteigt, wird gezielt bekämpft, wodurch massiver Dauereinsatz von Gift vermieden wird.
- Spezialfallen für den Kanal (Rattenbekämpfung): Diese Systeme werden direkt in die Schachtwand montiert. Sensoren erkennen die Ratte und lösen einen sofortigen, tödlichen Schlag aus. Der Kadaver wird anschließend weggespült.
- Insektenfallen mit Kamerasystemen: Spezielle Licht- oder Klebefallen für Vorratsschädlinge oder Motten sind mit Kameras ausgestattet. Sie nehmen in festgelegten Intervallen Bilder auf, werten diese über integrierte Software oder KI aus und warnen, sobald ein bestimmter Schwellenwert überschritten wird
Einsatz von Pheromonfallen
Pheromonfallen sind Fangeinrichtungen mit Pheromondispensern um Schädlinge anzulocken. Da bei den meisten Pheromonfallen nur ein Geschlecht angelockt wird, sind diese Fallen in erster Linie zum Monitoring geeignet, weniger zur Bekämpfung.
Pheromone sind biochemische Signal-/Botenstoffe, welche der innerartlichen Kommunikation zwischen Individuen dienen. Beispiele:
In der Schädlingsbekämpfung werden industriell hergestellte Pheromonanaloga verwendet. Dies sind chemisch nahe verwandte Stoffe mit gleicher Lockwirkung.
(aus TRNS, 3. Auflage 2019)
Gelverfahren
Mittels eines speziellen Gels, welches ein auf den Zielschädling abgestimmten Bekämpfungsmittel enthält, können zum Beispiel Ameisen und Schaben wirksam bekämpft werden.
- Attraktive Lockstoffmatrix: Das Gel besteht primär aus Feuchtigkeit und hochattraktiven Nahrungskomponenten (z. B. Fructose). Schädlinge bevorzugen das Gel oft gegenüber normalen Lebensmitteln.
- Verzögerte Giftwirkung: Das im Gel enthaltene Insektizid wirkt absichtlich erst nach einigen Stunden. Dies verhindert, dass das Insekt direkt an der Fraßstelle stirbt und andere Tiere warnt.
- Ameisen tragen das Gel in ihren Kropf direkt in den Bau und verfüttern es an die Königin und die Larven, was die gesamte Kolonie kollabieren lässt.
- Schaben sterben erst in ihren Verstecken. Da Schaben Kannibalen sind und zudem den Kot ihrer Artgenossen fressen, nehmen die Jungtiere (Nymphen) das Gift im Nest sekundär auf. Ein einziger Gelpunkt kann so dutzende Schaben eliminieren.
Vergrämung
Vergrämung bezeichnet Methoden in der Schädlingsbekämpfung, die Tiere nicht töten, sondern durch unangenehme Reize von einem bestimmten Ort dauerhaft vertreiben.
Funktionsweise
- Zielgerichtete Reize: Nutzung von Gerüchen, Geräuschen, Lichteffekten oder physischen Barrieren.
- Meideverhalten: Tiere empfinden die Umgebung als ungemütlich oder bedrohlich.
- Umsiedlung: Die Schädlinge suchen sich selbstständig ein neues Revier.
Typische Methoden und Beispiele
- Akustisch: Ultraschallgeräte gegen Mäuse oder Knallgeräte zur Vogelabwehr.
- Optisch: Laserstrahlen oder Attrappen von Raubvögeln auf Dächern.
- Haptisch: Spikes (Taubenpins) oder Spanndrähte auf Fensterbrettern gegen Vögel.
- Olfaktorisch: Duftstoffe (Repellents) gegen Marder oder Maulwürfe.
Vorteile
- Tierschutzkonform: Gesetzlich geschützte Arten (z. B. Marder, bestimmte Vögel) werden nicht verletzt.
- Präventiv: Verhindert den Erstbefall oder die Rückkehr von Tieren.
- Hygienisch: Es entstehen keine Tierkadaver in Wänden oder Zwischenböden.
Vogelabwehr
Vogelabwehr umfasst alle Maßnahmen, die das unkontrollierte Nisten, Rasten oder Verweilen von Vögeln an Gebäuden und Anlagen verhindern, um Schäden, Lärm und Hygieneprobleme zu vermeiden.
- Substanzschutz: Aggressiver Vogelkot (besonders von Tauben) greift Sandstein, Lacke und Fassaden an.
- Hygiene: Vögel übertragen Parasiten (z. B. Taubenmilben, Flöhe) und Krankheitserreger (z. B. Salmonellen).
- Sicherheit: Nester blockieren Dachrinnen, Abflüsse oder Lüftungsanlagen, was zu Wasserschäden und Brandgefahren führen kann
- Spikes: Federstahl- oder Kunststoffstifte auf Fensterbänken, Gesimsen und Balkonen blockieren die Landefläche.
- Vogelnetze: Großflächige Netze sperren ganze Innenhöfe, Nischen oder Hallendächer komplett ab.
- Spanndrahtsysteme: Dünne, federnd gelagerte Drähte machen das Absitzen für Vögel zu einer wackeligen, ungemütlichen Angelegenheit.
- Elektrosysteme: Ähnlich wie ein Weidezaun verpassen dezente Stromschienen auf Dachkanten den Vögeln einen harmlosen, aber lerneffektiven Schreck.
- Lasersysteme: Automatisierte, grüne Laserstrahlen spannen einen visuellen Schutzschirm über große Freiflächen oder Logistikhallen. Vögel nehmen den Punkt als physisches Hindernis wahr und fliegen weg.
Verneblung
Bei der Verneblung wird ein Nebel erzeugt, der durch die geeigneten Präparat sofort wirksam ist. Das betroffene Gebiet oder der entsprechende Raum wird innerhalb kürzester Zeit effektiv behandelt. Trotz geringer Ausbringmenge wird die Effizienz der Präparate nicht beeinträchtigt.
Unterschieden wird zwischen dem Heiss- und dem ULV- bzw. Kaltnebelverfahren. Beide Verfahren können im Innen- und Aussenbereich angewendet werden und erzeugen ein feines und schwebefähiges Aerosol, welches den Raum von allen Seiten durchdringt und sich gleichmässig verteilt.
Ob als tragbares oder als stationäres Nebelgerät – dank ihrer technische Beschaffenheit sind unsere Kaltnebel- und Heissnebelgeräte die ideale Lösung für die Desinfektion oder Schädlingsbekämpfung. Für jeden Verwendungszweck haben wir die entsprechenden Geräte und Präparate.
Puderverfahren
Beim Puderverfahren werden gezielt trockene Pulver, meistens giftfreie Präparate wie Kieselgur (Diatomeenerde), Stäubemittel oder Granulate ausgebracht, um kriechende Insekten und Spinnentiere zu bekämpfen.
Durch das Durch- oder Überlaufen des ausgebrachten Materials führt das bei den Insekten zum Anhaften der Formulierung an der Körperoberfläche. Dadurch erfolgt eine dermale Aufnahme oder es kommt durch die Auslösung des Putztriebs zur oralen Aufnahme.
Spritzverfahren
Heißdampfverfahren
- Der Hitzetod: Sobald Insekten oder deren Gelege mit dieser Hitze in Kontakt kommen, gerinnt das körpereigene Eiweiß augenblicklich.
- Alle Stadien betroffen: Anders als viele Chemieprodukte tötet der heiße Dampf nicht nur ausgewachsene Insekten, sondern auch Larven und die extrem widerstandsfähigen Eier zuverlässig ab.
Heißluftverfahren
- Der Hitzetod: Ab einer Temperatur von etwa 45 °C bis 55 °C gerinnt das körpereigene Eiweiß von Insekten. Sie sterben unweigerlich.
- Trockene Hitze: Große, meist mobil aufgestellte Heizaggregate (elektrisch oder mit Öl/Gas betrieben) blasen kontinuierlich heiße, trockene Luft in den betroffenen Bereich.
- Tiefenwirkung: Die Zieltemperatur wird über mehrere Stunden gehalten. So dringt die Hitze tief in massive Holzbalken, Mauerwerk oder dicke Polster ein.
- Erfasst alle Stadien: Das Verfahren vernichtet nicht nur ausgewachsene Insekten, sondern auch deren Larven, Puppen und Eier.
- Holzzerstörende Insekten (Käfer): Der Klassiker gegen Hausbock, Holzwurm oder Klopfkäfer in Dachstühlen, Kirchen, Fachwerkhäusern oder historischen Möbeln.
- Bettwanzen: Zur großflächigen Entwesung kompletter Hotelzimmer, Wohnungen oder sensibler Bereiche (Krankenhäuser, Kitas), da Bettwanzen oft resistent gegen chemische Mittel sind.
- Lebensmittelbetriebe: Entwesung von Mühlen, Silos oder Bäckereien (z. B. gegen Motten oder Käfer), ohne dass Lebensmittel mit Insektiziden kontaminiert werden.
Einsatz von Nützlingen
- Marienkäfer & deren Larven: Die Klassiker im unermüdlichen Einsatz gegen gigantische Blattlauskolonien.
- Florfliegenlarven („Blattlauslöwen“): Gefräßige Jäger, die neben Blattläusen auch Thripse und Spinnmilben attackieren.
- Raubmilben: Winzige Spinnentiere, die speziell Jagd auf schädliche Spinnmilben auf Zimmer- oder Gewächshauspflanzen machen.
- Schlupfwespen (z. B. Trichogramma): Sie sind mikroskopisch klein und stechen die Eier von Lebensmittel- oder Kleidermotten an, um dort ihre eigenen Eier abzulegen. Die Mottenlarve schlüpft gar nicht erst.
- Nematoden (Fadenwürmer): Winzige, nützliche Würmer, die über das Gießwasser ausgebracht werden. Sie dringen in Bodenschädlinge wie die Larven des Dickmaulrüsslers oder Trauermücken ein und infizieren diese mit einem Bakterium.
Dokumentation
Die GROLI Schädlingsbekämpfung nutzt für das Monitoring die Software der Firma DEBUXX.
Die Benutzeroberflächen in DEBUXX ermöglichen eine einfache und übersichtliche Bereitstellung und Verarbeitung von Daten für das Team des Schädlingsbekämpfers. Die Dokumentation für die Kunden des Schädlingsbekämpfers ist übersichtlich aufgebaut. Leicht lesbare Berichte, Trendanalysen, Auswertungen über gewählte Zeiträume, Dokumente für Audits, Ausbildungsnachweise für Servicetechniker.