Was ist der Unterschied zwischen Teilbegasung und Komplettbegasung?

Der wesentliche Unterschied zwischen einer Teilbegasung und einer Komplettbegasung liegt im Umfang der Einhausung und wird primär durch die vorgefundene Befallssituation bestimmt.
 
Während bei einer Komplettbegasung das gesamte Kirchen- oder Gebäudevolumen geflutet wird, isoliert man bei einer Teilbegasung gezielt nur einzelne, befallene Ausstattungselemente wie das Kirchengestühl (Gestühl), die Orgel oder die Empore mittels Gassperrfolien. 
Die Wahl des Verfahrens hängt direkt von der Intensität, der Ausbreitung und der Lokalisierung der Holzschädlinge (meist der Gewöhnliche Nagekäfer/Holzwurm oder der Hausbock) ab. 
 
1. Wann reicht eine Teilbegasung?

Eine Teilbegasung wird gewählt, wenn eine präzise Befallsanalyse zeigt, dass der Schädlingsbefall lokal stark begrenzt ist und das restliche Gebäude (insbesondere der Dachstuhl) nachweislich befallsfrei ist.

  • Gestühl (Kirchengestühl): Häufig konzentriert sich der Befall durch Bodenfeuchte oder mangelnde Luftzirkulation rein auf die Sitzbänke. Diese werden vor Ort mit Folie luftdicht verpackt („eingehaust“) und begast. 
  • Orgel: Da Orgeln aus hochsensiblen Hölzern und Lederteilen bestehen, sind sie ein Primärziel für den Nagekäfer. Ist nur das Instrument betroffen, schützt eine gezielte Einhausung der Orgel das restliche Gebäude vor Gaseinsatz. 
  • Empore: Ein isolierter Befall der hölzernen Tragbalken oder Brüstungen der Empore kann ebenfalls separat eingehaust werden, sofern die statischen Anschlüsse an das Mauerwerk nicht tiefgreifend infiziert sind.
Vorteil: Erheblich geringerer Gasverbrauch und eventuell geringere Kosten. Während der Begasung ist das Gebäude vollständig für die Öffentlichkeit gesperrt!
Nachteil: Ein höheres Risiko von unentdecktem Restbefall in angrenzenden Bauteilen sowie ein technisch anspruchsvollerer Abdichtungsaufwand an Wandanschlüssen. Zudem verliert sich das Gas durch das ungünstige Oberflächen-Volumen-Verhältnis in kleinen Folienzelten schneller.
 
2. Wann ist eine Komplettbegasung zwingend notwendig?
 
Die Komplettbegasung des gesamten Bauwerks wird bei einer diffusen oder flächendeckenden Befallssituation angewendet.
  • Symptome: Frische Ausfluglöcher und Bohrmehl finden sich gleichzeitig im Dachstuhl, an den Deckenbalken, der Empore und im Gestühl.
  • Dynamik: Holzschädlinge wandern im Laufe der Zeit oft unbemerkt vom Kirchenschiff in den Dachstuhl oder umgekehrt. Wenn tragende Konstruktionsteile gefährdet sind, ist eine selektive Abgrenzung unmöglich. 
Hierbei wird das gesamte Gebäude von außen komplett mit reißfesten Planen gasdicht verhüllt oder alle Fenster, Türen und Lüftungsöffnungen im Mauerwerk werden von innen versiegelt. Das toxische Gas (in der Praxis meist Sulfuryldifluorid – VIKANE) flutet den gesamten Luftraum und dringt tief in alle verbauten Hölzer ein, um Insekten in jedem Entwicklungsstadium (Ei, Larve, Puppe, Käfer) abzutöten.
 
Fazit
Die Befallsanalyse des Fachbetriebs entscheidet über das Verfahren. Eine Teilbegasung ist eine wirtschaftliche und substanzschonende Lösung bei punktuellem Befall. Sie versagt jedoch, sobald die Schädlinge die Schnittstellen zwischen Ausstattung und der tragenden Gebäudestruktur (wie dem Dachwerk) überschritten haben